"Wer die Vergangenheit nicht kennt,
wird die Zukunft nicht in den Griff bekommen."
(Golo Mann)
Eine lange, bewegte Geschichte
Die Berner Kramgasse war einst Berns beliebtester Handelsort. Im und um das heutige Lirum Larum herrschte ein buntes Geschäftstreiben. Das erste Berner Kaufhaus lag an der Kramgasse und in den Pferdestallungen, denen die Grundmauern des heutigen Lirum Larum ursprünglich dienten, wurde um 1800 ein florierendes Fischgeschäft eröffnet.
Auf den Gassen der Berner Unterstadt, und vor allem auch unter den Lauben, wurde gehandelt, in den Kellern wurde Bier, Wein und Kaffee getrunken und die letzten Neuigkeiten wurden in der Berner Altstadt erzählt.
Die Familie Freiburghaus bediente die Berner Bevölkerung an der Kramgasse 19a bis 1920 mit Molkereiprodukten und verschiedenen Käsespezialitäten, bevor das Lirum Larum wieder als Fischgeschäft und Comestible genutzt wurde.
Die Firma Rippstein Comestible & Fischhandlung betrieb ihr Geschäft bis 1969. Danach verkaufte die Familie Gazdag Janosh an der Adresse des heutigen Lirum Larum bis ins Jahr 1998 ungarische Metzgereispezialitäten.
Die grossen Kaufhäuser oberhalb des Zytglogge-Turms verwandelten mit der Zeit auch die Kramgasse. Der Nabel des Berner Geschäftslebens wanderte zusehends in die Oberstadt ab, das bunte Geschäftstreiben der unteren Altstadt wich avantgardistischen Spezialitäten-Läden mit Antiquitäten, Kunstgegenständen, einzigartigem Schmuck und einem breiten Angebot an Restaurants und Bars.
1998 wurde auch aus der Metzgerei Janosh ein Gastronomielokal. Guy Froideveaux baute die Räumlichkeiten um, im Gewölbekeller entstand ein Restaurant mit einer offenen Feuerstelle, im Parterre eine Kaffee-Bar mit einer originalen Zinntheke aus Paris. Im November 1998 schliesslich wurde das Lirum Larum eröffnet.
Seit 2003 besitzt Jürg Affolter das Lirum Larum, er gründete die Lirum Larum AG und wandelte 2004 sein Restaurant im Keller erfolgreich in eine Eventlokalität für Privat- und Geschäftsanlässe, während er die Kaffee-Bar im Parterre bis heute unverändert und erfolgreich betreibt.
Das Lirum Larum hat so im Wandel der Zeit mit Hilfe seiner Nachbarn und Geschäftskollegen etwas dazu beigetragen, dass die untere Berner Altstadt trotz grossen Kaufhäusern in der oberen Altstadt ein Mittelpunkt des Berner Altstadtlebens geblieben ist. Ein breites Gastronomieangebot und exklusive Verkaufsgeschäfte verschiedenster Preisklassen schlossen die Lücke, die die abgewanderten Geschäftstreibenden einst hinterliessen.
Und so werden auch heute noch, 200 Jahre, nachdem die Kramgasse zum Nabel der Berner Geschäftswelt wurde, die letzten Neuigkeiten in der unteren Berner Altstadt erzählt und in den Kellern und den Lokalen der Kramgasse wird heute wie damals Bier, Wein und Kaffee getrunken. Nur die Stallungen für die Brauereipferde, die das Bier transportierten, mussten schon vor 200 Jahren uns Geschäftstreibenden und Nachtschwärmenden weichen. |